Aktuelles

Bedarfsanalyse zur Ausbildungssituation in Nordthüringen



Jugendwelten vs. Wirtschaftsinteressen...

 

Schlagwörter wie „Demografie“ und „Fachkräftemangel“ sind mittlerweile allgegenwärtig und haben nicht nur auf politischer sondern mittlerweile auch in unserem täglichen Sprachgebrauch Einzug gehalten. In ganz Deutschland stehen immer mehr Unternehmer vor der Frage, wie sie ihre Mitarbeiter und Auszubildenden an ihr Unternehmen langfristig binden können. Aber nicht nur für dieses Thema allein gilt es Lösungen und Strategien herbeizuführen. Auch immer weniger junge Menschen gehen den Weg in Ihrem Ausbildungsberuf bis zum Schluss. Sie brechen ab und erlangen den so wichtigen Nachweis einer Qualifikation leider nicht. Aber damit ist das Ende der Problemkette noch lange nicht erklärt. Diese jungen „Abbrecher“ finden zu einem enorm hohen Prozentsatz auch zukünftig keinen Weg in eine erneute Ausbildung. Die so wichtige gesamtgesellschaftliche Partizipation am Wirtschaftskreislauf reißt ab und bedeutet nicht unerhebliche volkswirtschaftliche Mehrbelastungen für die sozialen Sicherungssysteme und jeden einzelnen Steuerzahler. Die Unternehmen „trocknen“ quasi zukünftig aus, da die so existentiellen Arbeitskräfte zum Erhalt des Unternehmens weniger und weniger zur Verfügung stehen.

 

Das Ausmaß des demografischen Wandels und der daraus resultierende Fachkräftemangel wird in den nächsten Jahren noch deutlicher.

 

Trotz des sinkenden Konkurrenzdruckes auf dem Ausbildungsstellenmarkt wurden in einigen Thüringer Wirtschaftszweigen ca. 30 % der Ausbildungsverhältnisse vorzeitig beendet. Die Argumentation, dass Ausbildungssuchende unter der Vielzahl der Mitbewerber jeden erreichbaren Ausbildungsplatz unabhängig von der persönlichen Eignung annehmen, ist nicht mehr zutreffend. Um die Zahl der Ausbildungsabbrüche zu minimieren, ist es wichtig die Gründe für dieses Handeln zu hinterfragen.

 

Die Suche nach Antworten beschäftigt auch uns, den HORIZONT e.V. Nordhausen, als gemeinnütziger Träger seit gut 5 Jahren. Zielgruppen unserer täglichen Arbeit weisen immer mehr vorzeitig gelöste Ausbildungsverhältnisse auf und bedürfen konkreter Reintegrationsstrategien, welche sowohl den potentiellen Auszubilden einerseits, als auch den Unternehmen andererseits dienen. Mit der Umsetzung unterschiedlichen Bundes- und Landesprogrammen, wie bspw. KANN (Kompetenzagenturen - BMAS - ESF), Wake Up! (XENOS - Integration durch Vielfalt - BMAS - ESF) und PerspektivCenter PCN (Landesarbeitsmarktprogramm - TMWAT - Land) konnten modellhafte Integrationsstrategien entwickelt werden, welche heute den Standard unserer AZAV zertifizierten Arbeitsprozesse sind. Die (Re-)Integrationsquoten belegen unseren Anspruchsgruppen die erfolgreiche Entwicklung und Umsetzung. Durch die enge Vernetzung von sozialpädagogischen bzw. sozialwissenschaftlichen Methoden und Ansätzen mit den Erwartungen bzw. Bedarfen von KMU der freien Wirtschaft konnten gemeinsam neue Wege der Integration von jungen Menschen in den Arbeits- bzw. Ausbildungsmarkt erschlossen werden. Um diese Ansätze weiterentwickeln zu können, wurden „Best Practice“ Beispiele aus weiteren europäischen Ländern identifiziert, adaptiert und in unsere Arbeitsprozesse implementiert. So wurde im Jahr 2012 ein transnationales Projekt mit der ÖSB Consulting in Österreich/Wien realisiert und durch das TMWAT (ESF) gefördert. Die gesammelten Ergebnisse und Erkenntnisse wurden auf einer Tagung Fachleuten und Interessierten multipliziert. Einen Abschlussbericht bzw. ein Handout zum transnationalem Erkenntnisgewinn erhalten Sie hier.

 

Mittlerweile finden sich unsere vielseitigen Projekte an sozialen und beruflichen Integrationsdienstleistungen im arbeitsmarktpolitischen Maßnahmenportfolio der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter Landkreis Nordhausen wieder. Durch enge Abstimmungs- und Kooperationsprozesse profitieren nicht nur die Arbeitsmarktpolitik und deren Akteure vor Ort, auch die Kommune bis hin zu ansässigen Krankenkassen. Aber vordergründig die jungen Menschen und Unternehmen vor Ort, indem die Interessen der Wirtschaft mit den Jugendwelten in Einklang gebracht werden können, was intern und extern erhobene Kennzahlen belegen.

 

Auf Grund der erfolgreichen Zusammenarbeit unterzeichnete im März 2014 der Vorsitzende Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Nordhausen, Herr Froböse, und der Geschäftsführer des HORIZONT e.V., Herr Kübler, eine Absichtserklärung zur gezielten Senkung von vorzeitig gelösten Ausbildungsverhältnissen im Landkreis Nordhausen.

 

Mittlerweile wurde aus dieser schriftlich formulierten Absicht ein reales Arbeitsbündnis, welches sich seid Mitte 2014 für diese jungen Menschen engagiert. So konnten zusätzlich die IHK Erfurt - Regionales Servicecenter Nordhausen (Herr Rockmann) und die Kreishandwerkerschaft Nordthüringen (Herr Senft) nicht nur zur Unterschrift der Absichtserklärungen sondern auch zur aktiven Mitarbeit gewonnen werden.

 

Gemeinsam wurde im Arbeitskreis der Sinn unserer Zusammenarbeit, in Form einer Präambel, definiert. Anschließende Workshops dienten dem Aufbau und der Priorisierung gemeinsamer Aktivitäten.

 

Zum aktuellen Zeitpunkt wird durch die Netzwerkakteure eine Bedarfsanalyse initiiert, welche an Unternehmen und Azubis im Nordthüringer Raum gerichtet ist. Ziel ist es zu erfahren was Unternehmen brauchen, um ihre Auszubildenden erfolgreich zum Abschluss zu führen und wo aus ihrer Sicht die Ursache für einen Abbruch liegt. Da ein solches Ausbildungsverhältnis keine einseitige Sache ist, stehen natürlich auch die jungen Menschen, mit einer gesonderten Befragung, im Mittelpunkt, denn sie wissen am ehesten, warum der Traum einer Ausbildung geplatzt ist. Die analysierten Ergebnisse sollen sowohl Lücken und Bedarfe im Übergangssystem identifizieren , als auch innovative Ansätze und Folgemaßnahmen definieren. Alles in Allem soll herausgefunden werden, wie die heutigen Wirtschaftsinteressen noch mit den heutigen Jugendwelten übereinstimmen.

 

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, bedarf es einer hohen Anzahl an Fragebogenbeantwortungen und damit ihrer Mithilfe. Nur so können empirisch valide Aussagen zur Identifizierung möglicher Unterstützungsbedarfe getroffen und daraus resultierend Maßnahmen entwickelt werden, welche wirksam vorzeitig gelöste Ausbildungsverhältnisse minimiert.

 

Wenn Sie einen aktiven Beitrag zum Gelingen des Vorhabens beitragen wollen, können Sie gern an der Umfrage teilnehmen oder die nachfolgenden Links an Azubis und Unternehmen in Nordthüringen weiterleiten.

 

Die Ergebnisse werden nach Beendigung der Umfragen öffentlichkeitswirksam transportiert. Sollten Sie ein persönliches Interesse an der Auswertung haben, so können Sie diese gern bei Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mail: t.rzepus(at)horizont-verein.de bestellen. Weiterhin haben Sie auch die Möglichkeit, sich aktiv in dieses Vorhaben einzubringen. Auch hier nehmen Sie bitte Kontakt zur vorhergehenden E-Mail-Adresse auf.

 

Zugang zur Befragung für Unternehmen in Nordthüringen:

 

Öffnet externen Link in neuem Fenster Umfrage Unternehmen

 

Zugang zur Befragung für Auszubildende/Abbrecher in Nordthüringen:

 

Öffnet externen Link in neuem Fenster Umfrage Azubi